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15.05.2018:
 Der Siegerentwurf von Marc Rammelmüller, Foto: Stadt Aschaffenburg

Der Siegerentwurf von Marc Rammelmüller, Foto: Stadt Aschaffenburg

Aschaffenburg bekommt Mahnmal zur Hexenverfolgung

Aschaffenburg bekommt ein Mahnmal zur Hexenverfolgung, das vom Aschaffenburger Künstler Marc Rammelmüller gestaltet wird. Das hat der Stadtrat gestern in seiner Plenumssitzung beschlossen.

Die Stadträte folgten damit dem Vorschlag des Preisgerichts, das nach einem Künstlerwettbewerb Marc Rammelmüller zum 1. Preisträger erkoren hatte. Den Künstlerwettbewerb hatte der Kultur- und Schulsenat im November 2017 beschlossen. Die Stadtverwaltung erhielt den Auftrag ein Bewerbungsverfahren durchzuführen.

Nur Künstler aus Aschaffenburg hatten sich in dem überregional ausgeschriebenen Verfahren beworben. Nach dessen Abschluss wurden Helmut Hirte, Peter Imgrund, Christoph Jakob, Helmut Kunkel und Marc Rammelmüller zur Abgabe eines Entwurfs aufgefordert. Alle fünf Arbeiten wurden fristgerecht und vollständig eingereicht. Den zweiten Preis erhielt Peter Imgrund, ein dritter Preis wurde nicht vergeben. Christoph Jakobs Entwurf soll angekauft werden.

Rammelmüllers Vorschlag zeigt eine Skulptur, die an das Spiel „Himmel und Hölle“ erinnert. Dafür ist in Metall das entsprechend gefaltete Deckblatt des „Hexenhammers“ verarbeitet. Der Künstler  erklärte selbst dazu: „Diese spielerische Verwendung des Hexenhammers soll die willkürliche Macht und dessen grausame Umsetzung eines der maßgeblichen Werkzeuge zur Hexenverfolgung versinnbildlichen.“

Mit dem Denkmal soll an eine bedrückende Epoche der Stadtgeschichte erinnert und gleichzeitig ein Ort geschaffen werden, an dem die Bedeutung von Toleranz und gesellschaftlichem Miteinander sichtbar wird.

In der Region Aschaffenburg wurden zwischen 1592 und 1629 etwa 320 Frauen, Männer und Kinder als angebliche „Hexen“ bzw. „Hexer“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Den Boden bereitet hatten hier wie andernorts vor allem die von Papst Innozenz VIII. 1484 herausgegebene „Hexenbulle“ (Summis desiderantes affectibus) und der von dem Dominikanermönch Heinrich Institoris 1486 verfasste „Hexenhammer“ (Malleus maleficarum).

Die Verurteilten wurden in den 1871 abgebrochenen „Cent- oder Folterturm“ (heute Höhe Friedrichstraße 7) gebracht, wo Folterungen und Enthauptungen stattfanden. Der Ort des Mahnmahls nimmt auf diese, heute im Stadtbild verschwundene Situation Bezug. Der grausame Feuertod erwartete die Verurteilten außerhalb der Stadt auf dem Scheiterhaufen des so genannten „Galgenbuckels“, dem heutigen „Schönberg“.

Der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1605 bis 1673) verbot als einer der ersten Regierenden eines deutschen Territoriums die „Hexen“-Prozesse und leitete damit das Ende des „Hexen“-Wahns in den deutschen Gebieten ein.

Die Modelle der Entwürfe werden bis Mitte Juni in Schloss Johannisburg ausgestellt.