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05.12.2018:

Stadtglockenspieler Wilhelm Ritter. Foto: privat

Stadtglockenspieler Wilhelm Ritter ist tot

Der Aschaffenburger Stadtglockenspieler Wilhelm Ritter ist tot. Der 67-Jährige starb bereits am 29. Oktober in Folge einer Herzoperation im Klinikum Kassel. Am 23. November wurde er im Kreise enger Angehöriger und Freunde in Kassel beigesetzt. Diesen Samstag, 8. Dezember, findet um 14 Uhr in der Martinskirche in Kassel ein öffentliches Gedenkkonzert statt. Es wird von der Kirchgemeinde und ehemaligen Schülern Ritters gestaltet.

Viele Aschaffenburger werden Wilhelm Ritter schon einmal gehört haben. Regelmäßig stieg er in den Sommermonaten auf den Ostturm des Schlosses Johannisburg und gab ein Carillonkonzert, das man weit über den Schlossplatz hinaus hören konnte. Vor den Konzerten bot er jedes Mal Führungen zum Glockenspiel an – hier konnte man den großgewachsenen Musiker mit dem weißen Vollbart in seinem Element erleben. Kulturamtsleiter Burkard Fleckenstein spricht von einem großen Verlust für die Stadt: „Wilhelm Ritter stand uns rund um das Carillon immer mit Rat und Tat zur Seite und war ein exzellenter Spieler. Man spürte bei jeder Begegnung seine Begeisterung für die Sache. Nie scheute er die Strecke von Kassel nach Aschaffenburg.“ Immer an Ritters Seite stand dabei seine Frau Gabriela.

Das Glockenspiel erlernte Ritter an den Glockenspielschulen im niederländischen Ammersfoort und im belgischen Mechelen, wo er auch sein Diplom machte. Ritter spielte auf Carillons in ganz Europa und wirkte beispielsweise an der Parochialkirche in Berlin oder am Roten Turm in Halle beratend bei der Renovierung oder Neueinrichtung von Glockenspielen mit. Zudem war Ritter Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche von Kurhessen.

Um das Carillon im Schloss Johannisburg kümmerte sich Ritter als Stadtglockenspieler über 30 Jahre – seit 1985 bis zu seinem Tod. Gemeinsam mit dem städtischen Kulturamt organisierte er jedes Jahr das Carillonfest im August und die Carillonkonzerte von Mai bis September. Wenn er nicht selbst spielte, lud der bestens vernetzte Carillonneur seine Kollegen aus dem In- und Ausland nach Aschaffenburg zu einem Konzert hoch über der Stadt ein.

Ritter stammte aus Nordhessen und war hauptberuflich bis zu seiner Pensionierung Lehrer für Deutsch, Musik und Kunst an einem Gymnasium in Kassel. Früh entdeckte Ritter seine Leidenschaft für die Kirchenmusik. Seit seinem 12. Lebensjahr spielte er Orgel. Besonders häufig war er an der Martinskirche in Kassel zu hören, die 2017 durch einen spektakulären Orgelneubau  in die Schlagzeilen kam.