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13.05.2019:
 Julius Maria Becker

Julius Maria Becker (Foto: Stadt Aschaffenburg/creative commons, CC BY 3.0)

„Verwerft mein Werk, wenn Ihr´s nicht loben könnt! Doch sitzt nicht stumm davor!“

Der literarische Nachlass des Aschaffenburger Schriftstellers Julius Maria Becker (1887-1949) ist 70 Jahre nach dessen Tod für die Öffentlichkeit im Stadt- und Stiftsarchiv, Wermbachstraße 15, nutzbar.

 

In dem rund 12 Meter langen Aktenbestand finden sich zahlreiche Dokumente, die sowohl das private als auch das literarische Leben Julius Maria Beckers abbilden. Neben umfangreicher Korrespondenz finden sich unter anderem bisher unveröffentlichte Werke, Zeichnungen, Tagebücher, „weibliche Fanpost“ und Unterlagen aus Kindheit und Jugend. Über die Online-Findmittel des Stadt- und Stiftsarchivs Aschaffenburg besteht die Möglichkeit, eine Übersicht über den Nachlass zu gewinnen.

 

Hintergrund

Im Oktober 2018 hatte die Erschließung und bestandswahrende Sicherung des Nachlasses begonnen. Nachdem zunächst die Privatbibliothek von Julius Maria Becker erfasst wurde, stand neben der systematischen Erschließung der Aktenbestände auch die Umbettung und Sortierung des Bildmaterials an.

Eine Reflektion zum Leben und Wirken des Autors und der Erschließungsgeschichte des Nachlasses haben die Autoren Prof. Dr. Gerrit Walther, Heinz Kirchner und Johannes Schuck in der Mai/Juni 2019 Ausgabe von „Unser Bayern“ in einem gemeinsamen Aufsatz veröffentlicht.

Aktuell laufen die Planungen für eine Ausstellung zum 70. Todesjahr von Julius Maria Becker, die im Rahmen der „Schaufenster zur Stadtgeschichte“ Ende Juli 2019 im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg eröffnet werden soll, um das Andenken an den Aschaffenburger Literaten weiter zu fördern.

 

Julius Maria Becker

Bereits 1907 begann Julius Maria Becker mit der Veröffentlichung erster eigener schriftstellerischer Arbeiten. Diese intensivierte er in den darauffolgenden Jahren. Der Höhepunkt seines literarischen Schaffens war sein Werk, „Der Brückengeist“ (1929), das mehr als fünfzig Inszenierungen in ganz Deutschland erlebte. Trotz größter Bemühungen gelang es dem oft sehr selbstkritischen und selbstzweifelnden Schriftsteller in den darauffolgenden Jahren nicht, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Beckers Hoffnung, ab 1933 als nationaler Schriftsteller von den neuen Machthabern unterstützt zu werden, schlug fehl. Im Gegenteil, er geriet bald ins Visier der politischen Führung, die auch martialisch ausgelegte Werke wie das Weltkriegsdrama „Nacht ohne Morgen“ (1935) wegen deren pazifistischer Botschaft als „zu weichlich“ ablehnte. Die Nachfrage der Theater ließ zusehends nach. Da er seine Anstellung als Lehrer 1932 gekündigt hatte, wurde er zur Brotschriftstellerei gezwungen. Dennoch blieb er der „höheren Literatur“ treu. Weitere Werke entstanden, wie das kurz vor Kriegsende vollendete Drama „Das Mahl des Herrn“ (1947). Es wurde zwar von den Besuchern angenommen (alle Vorführungen waren ausverkauft), die Presse hingegen übte massive Kritik an Beckers Stück. Diese überwand Becker bis zu seinem Tod 1949 nicht.