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Aschaffenburger Persönlichkeiten

Bild, das Carl von Erthal zeigt.

Kupferstich von Friedrich L. Neubauer, Stadt- und Stiftsarchiv.

Friedrich Carl Joseph Reichsfreiherr von Erthal

Geboren am 3. Januar 1719 in Lohr, gestorben am 25. Juli 1802 in Aschaffenburg

Friedrich Carl Joseph Reichsfreiherr von Erthal, Sohn des kurmainzischen Oberamtmannes, Staats- und Konferenzministers sowie Obermarschalls Philipp Christoph von Erthal, Elfershausen und Schwarzenau und seiner Gattin Maria Eva von Bettendorff, studierte zunächst in Mainz, dann in Würzburg und Reims Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft. Seine Begabung und Bildung sowie seine günstigen verwandtschaftlichen Verbindungen ermöglichten Friedrich Carl Joseph einen glänzenden Aufstieg bis an die Spitze des Mainzer Kurstaates. Domizellar in Bamberg (1728) und Würzburg (1739), Domherr in Mainz (1731), Domkapitular in Bamberg (1749) und Mainz (1753) waren die ersten Stationen seiner geistlichen Laufbahn. Als Präsident des mainzischen Regierungsrates (1758), als Rektor der Universität Mainz (1764) und als kurmainzischer Sonderbeauftragter am Kaiserhof in Wien (1769-1773) setzte er seine Karriere fort. Höhepunkt war jedoch seine Wahl 1774 zum Erzbischof von Mainz und zum Fürstbischof von Worms. Sein hohes Amt nutzte Friedrich Carl Joseph zur Durchführung zahlreicher Reformen im Sinne der Aufklärung: Nicht nur das Schul- und Fürsorgewesen, sondern auch der Finanz-, Bau- und Forstbereich sowie die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen erfuhren unter seiner Regierung moderne, dem Zeitgeist entsprechende Verbesserungen. 1792 floh der Erzbischof/Kurfürst vor den Franzosen von Mainz zunächst nach Erfurt und 1794 nach Aschaffenburg. Die Stadt erlebte nun als ständige Residenz eine kulturelle und gesellschaftspolitische Aufwertung. Friedrich Carl Joseph ließ die Mainzer Hofbibliothek, des weiteren alle Behörden und den gesamten Hofstaat nach Aschaffenburg überführen. Zur "Modernisierung" des Stadtbildes trugen unter anderem der Abriss der Löherpforte und des Folterturmes an der Agathakirche, des äußeren Sandtores und des Metzlerturmes am Windfang sowie die Pflasterung des Marktplatzes vor der Stiftskirche bei. Die zwischen 1776 und 1782 errichteten Grünanlagen Schönbusch, Schöntal, Fasanerie und Schlossgarten vermitteln noch heute ein positives Lebensgefühl. In den kommenden Jahren musste er auf Anordnung von Papst Pius VII. auf seine bischöflichen Rechte in Mainz und auf seinen Diözesenteil am linken Rheinufer verzichten (1801), die Zerschlagung des Erzbistums und die Errichtung eines neuen linksrheinischen und zu Frankreich gehörenden Bistums Mainz sowie die beginnende Säkularisierung des alten Erzstiftes (1802) miterleben. Am 25. Juli 1802 verstarb Friedrich Carl Joseph von Erthal in Aschaffenburg und wurde in der Stiftskirche beigesetzt.