Direktsprung:

Sie befinden sich hier: Startseite, Aktuelles, Aktuelle Meldungen

Inhalt

Aktuelle Meldungen

04.06.2020:
 Kranz am Familiengrab

Foto Ralf Hettler

Erinnerung an Adalbert von Herrlein

Vor 150 Jahren starb der frühere Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg, Adalbert von Herrlein. An ihn erinnert heute noch die Herrleinstraße in der Innenstadt. Zur Erinnerung, aber aus Infektionsschutzgründen ohne Gäste, haben Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Aschaffenburg heute an der Familiengruft auf dem Altstadtfriedhof einen Kranz niedergelegt.

Adalbert von Herrlein wurde 1835 zum Bürgermeister gewählt. In seiner fast dreißigjährigen Amtszeit entwickelte sich die behagliche Kleinstadt mit ihren rund 7000 Einwohnern zu einer Großgemeinde mit einem völlig veränderten Stadtbild. Die Anlegung der Ludwigsallee, die Einführung der Gasbeleuchtung, die Überwölbung des Löhergrabens, die Errichtung der Landingstraße und die Umwandlung von Weiden und Feldern in Bauland, waren neben der Gründung von Feuerwehr, Knabenwaisenhaus und Sparkasse die bemerkenswertesten Leistungen seiner Amtszeit.

Adalbert von Herrlein wurde am 20. Mai 1798 auf dem Gräfenhof bei Pfarrweisach, Kreis Ebern, geboren. Materiell abgesichert und wohlbehütet erzogen absolvierte er bis zum Sommer 1820 das Gymnasium in Bamberg. Noch im selben Jahr immatrikulierte er sich für das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Würzburg, die er jedoch im Sommer 1823 frühzeitig verließ. Vom Oktober 1823 bis zum September 1826 eignete er sich die nötige juristische Praxis am Landgericht Karlstadt an.

Im Herbst 1826 legt er sein Staatsexamen an der Universität Würzburg ab und blieb noch bis zum Winter 1827 in Karlstadt. Über Landau, Zweibrücken und Arnstein kam er 1929 schließlich nach Aschaffenburg, um sich hier als königlicher Advokat niederzulassen. 1830 heiratete er die Aschaffenburgerin Elisabetha Würdtwein (1804 bis 1873).

Seine Karriere fand im Frühjahr 1835 mit der Wahl zum Bürgermeister ihren Höhepunkt Schon kurz nach seinem Amtsantritt entwickelte von Herrlein Pläne, mit denen die Stadt attraktiver werden und einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren sollte. So griff er im Frühjahr 1836 eine Idee der Königlichen Regierung des Untermainkreises in Würzburg zur Gründung einer Sparkasse auf. Am 8. Juli 1837 konnte in seinem Beisein der Grundstein zum Bau der evangelischen Pfarrkirche gelegt werden, die bereits 2 Jahre später eingeweiht wurde. Mit allen Mitteln förderte Herrelein auch die Idee Ludwigs I. zum Bau eines „pompejanischen Hauses“. 1848 war Aschaffenburg um eine Attraktion reicher.

Trotz aller städtebaulichen Aktivitäten zeigte sich der Bürgermeister politisch durchaus besonnen. Als im Revolutionsjahr 1848 der Freiheitgedanken auch Aschaffenburg erreichte war es wohl hauptsächlich Adalbert von Herrlein, Stadtrat Franz Dessauer und Forstmeister Dr. Müller zu vedanken, dass die Revolutionsbewegung nur von einem geringen Teil der Bevölkerung unterstützt wurde. Der größere Teil vertraute seinem Bürgermeister, für den die  Stadt auf dem Boden einer konstitutionellen Monarchie mit volkstümlichen Institutionen“ stand.

In dieses Bild passte auch, das er Vereinen durchaus  offen gegenüber stand. Unter seiner Ägide wurde der Turnverein Aschaffenburg gegründet. Im ebenfalls neu gegründeten Aschaffenburger Geschichtsvereins übernahm er sogar den Vorsitz.

Am 1. Februar 1864 erklärte Adalbert von Herrlein seinen Rücktritt vom Bürgermeisteramt und erklärte diesen Schritt dem Magistrat, den Gemeindebevollmächtigten und der Kammer des Innern mit der Begründung; „Der gehorsamst Unterzeichnete nähert sich dem 66. Lebensjahr, hat der Stadt fast 30 Jahre gedient und leidet seit einigen Jahren an den Augen, die begreiflicher Weise immer schlechter werden“ Am 24. Februar stimmte die Regierung in Würzburg dem Vorschlag beider Aschaffenburger Organe zu.

Nur noch sechs Jahre konnte er jedoch seine Pension genießen. Am 4. Juni 1870 starb von Herrlein an Herzversagen in seinem Haus am Roßmarkt (gegenüber der Badergasse) im Alter von 73 Jahren. Er wurde in der Familiengruft auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.