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27.06.2020:
Die Urkunde von 892

Foto: Die Urkunde von 892, Aufnahme: Stadt- und Stiftsarchv

Kaiserurkunde Ottos II. von 982 wiederentdeckt

Eine kleiner Sensationsfund ist dem Aschaffenburger Stadt- und Stiftsarchiv gelungen. Nachdem es über 100 Jahre verschollen war, ist ein ottonisches Originaldokument aus dem Jahr 982 im Stiftsarchiv wiederentdeckt worden.

Im Jahr 1912 hatte ein österreichischer Forscher im Stiftungsamt zum vorerst letzten Mal das Original sehen können. Irgendwann danach war die Urkunde nicht mehr auffindbar. Die „Wiederentdeckung“ gelang jetzt im Rahmen zweier aktueller Projekte für das Stiftsarchiv, in deren Folge der Gesamtbestand für die Digitalisierung und Reinigung komplett durchforstet wird.
Die Zeit der deutschen Kaiser aus dem Haus der „Ottonen“ ist seit fast 1.000 Jahren Geschichte. Ihnen folgten die Salierkaiser und die Staufer, die gerade im Süden Deutschlands im historischen Bewusstsein heute noch präsent sind.
Für die Entstehung des Stiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg im späten 10. Jahrhundert ist Kaiser Otto II. (973-983) eine zentrale Gestalt gewesen. Seine Herrschaftsdokumente, Pergamenturkunden, sind eine große Seltenheit! Viele der wertvollen Dokumente sind im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen. Die nun wieder aufgefundene Urkunde im Aschaffenburger Stiftsarchiv war im Jahr 982 für das entstehende Aschaffenburger Kollegiatstift geschrieben worden. Der Kaiser ließ die Urkunde im süditalienischen Capua ausfertigen, wo er damals in einen Krieg mit den muslimischen Sarazenen verwickelt war.
Der sensationelle Neufund hat auch eine große Bedeutung für die mittelalterliche Urkundenforschung. Das Archiv hat einen der Kenner des frühmittelalterlichen Urkundenwesens, Prof. Dr. Mark Mersiowsky (Universität Stuttgart), um eine Video-Stellungnahme gebeten. Die sehens- und hörenswerte Videobotschaft ist ab sofort aufrufbar unter diesem Link: https://youtu.be/tYVCrrsOxz4

Beim „Stiftsarchiv“ handelt es sich um die schriftliche Überlieferung des früheren Aschaffenburger Kollegiatstiftes, das über einen weitreichenden Besitz und großen Einfluss im Staat der Mainzer Erzbischöfe – zu dem Aschaffenburg als wichtige Residenzstadt bis 1814 gehörte – verfügte. Der Besitz und das Archiv des Kollegiatstiftes gingen später an das Königreich Bayern über. Seit dem Jahr 1939 ist das Stiftsarchiv als Dauerleihgabe im Besitz der Stadt und wird daher im Stadt- und Stiftsarchiv verwahrt.