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29.06.2020:
 Walter Frank nach seiner Rückkehr nach New York 1946

Walter Frank nach seiner Rückkehr nach New York 1946 Fotos: privat (Museen der Stadt Aschaffenburg)

„Schweigen ist das größte Übel“

Der in Aschaffenburg aufgewachsene Walter Frank ist im Alter von 94 Jahren im April 2020 in Lima/ Peru gestorben.

Walter Frank wurde am 22.07.1925 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Albert Frank und dessen Frau Lina (geborene Wolf) in Babenhausen geboren, wo er auch die Grundschule besuchte. 1935 zog er mit seiner Familie nach Aschaffenburg um.

Hier bekam er mit seinen Eltern die Ausgrenzung und Grausamkeit des Nationalsozialismus zu spüren, die seine Mutter 1936 zwangen, ihn aus der Schule zu nehmen. Es gab aber auch die Hilfe nicht-jüdischer Freunde und Geschäftspartner, die versuchten, der Familie im Verborgenen das Leben zu erleichtern. So war es auch ein Handelspartner, dem es gelang, den Vater 1938 einige Monaten nach der Deportation nach Buchenwald „freizukaufen“.

Der 13-jährige Walter wurde aus diesen Gründen zur weiteren Erziehung mit Hilfe eines amerikanischen Onkels in die Schweiz geschickt. Zwei Jahre lebte er in Lausanne, bis die Familie 1940 in New York wieder zusammen kam. Hier machte Frank seinen High-School-Abschluss und begann ein Studium. 1943 trat er in die US-Army ein, mit der er nach Italien verlegt wurde. Nach Kriegsende kehrte er nach New York zurück und nahm sein Studium wieder auf. Gleichzeitig begann er in einem internationalen Handelsunternehmen zu arbeiten. Dieses versetzte ihn 1949 nach Lima in Peru, wo er sich niederließ.

Walter Frank war verheiratet und hatte drei Kinder. Mit seiner Familie besuchte er im Jahr 2006 Aschaffenburg. Seine Tochter, Joceline Frank, war 2017 in der Stadt.

In einer Korrespondenz nennt Walter Frank die Lehre, die er aus seiner Jugend voller Erniedrigungen und Grausamkeiten gezogen hat. „Schweigen ist das größte Übel. Es kann keine Veränderung geben, wenn wichtige Gruppen der Gesellschaft nicht ihre Stimme erheben.“ Die Achtung vor dem Individuum sei ihm Richtschnur für sein ganzes Leben geworden.