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10.11.2020:
 Schweigend gedachten Oberbürgermeister Jürgen Herzing (rechts) und Dr. Josef Pechtl der Opfer der Gewalttaten vom 9. November 1938.

Schweigend gedachten Oberbürgermeister Jürgen Herzing (rechts) und Dr. Josef Pechtl der Opfer der Gewalttaten vom 9. November 1938. Fotograf: Ralf Hettler

Stilles Gedenken am Wolfsthalplatz

Mit einer Schweigeminute auf dem Wolfsthalplatz gedachten Oberbürgermeister Jürgen Herzing und der Vorsitzende des Förderkreises Haus Wolfsthalplatz, Josef Pechtl, gestern der Gewalt und Zerstörung vom 9. und 10. November 1938.

Auf Grund der Hygienemaßnahmen zu Corona war die abendliche Gedenkveranstaltung auf dem Wolfsthalplatz abgesagt worden. Leicht gemacht hatten sich Stadt und Förderkreis diese Absage nicht. Das Gedenken an die Synagoge und die Jüdische Gemeinde und die Erinnerung an die jahrhundertealte jüdische Stadtkultur, die wir in Aschaffenburg verloren haben, müsse auch über solche Termine wachgehalten werden, betont Jürgen Herzing. „Gerade in diesen Zeiten müssen wir uns gewahr werden, dass es immer noch zu viele Menschen gibt, die in Andersdenkenden, anderen Kulturen oder anderen Religionen die Fläche sehen, auf die sie alle ihre Ängste und Ohnmachtsgefühle projizieren können.“ Nur wer die Geschichte vor Augen habe, so der Oberbürgermeister, könne sich heute für Toleranz und demokratische Rechte einsetzen.

Nach Ausschreitungen gegen Jüdische Geschäfte durch Mitglieder des SA-Spielmannszuges, waren in den frühen Morgenstunden des 10.11.1938 die Aschaffenburger Synagoge in Brand gesteckt und mehrere Juden gewalttätig angegriffen. Unter ihnen war Alfons Vogel, der von SS-Männern aus seiner Wohnung geschleppt und in der Fasanerie so schwer angeschossen wurde, dass er einige Tage später seinen Verletzungen erlag.

Grundlage solchen Gedenkens, so Dr. Josef Pechtl, sei Wissen um das historische Geschehen. Dazu liege seit eineinhalb Jahren die ausführliche Publikation „Dann ist es mit Dir aus“ von Peter Körner vor, in der das Geschehen, Opfer und Täter, Ahndung und Erinnerung akribisch dargestellt sind. Pechtl ergänzt: „Ich freue mich, dass die Stadt diese Forschungsergebnisse finanziert und herausgebracht hat. Es gilt doch: Nur, wenn ich mir die Mühe mache, meine Meinung zur Geschichte in Wissen umzuwandeln, vermeide ich die Gefahr, in bester Absicht das gute Ziel zu verfehlen.“