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29.01.2021:
 Werner Hirsch mit seinen Eltern 1939.

Werner Hirsch mit seinen Eltern 1939. Fotos aus dem Nachlass Werner Hirschs.

Verbunden mit Aschaffenburg – Zum Tod von Werner Hirsch

Der gebürtige Aschaffenburger jüdischen Glaubens, Werner Hirsch, ist am 26. Januar im Alter von 85 Jahren in New Haven, Connecticut, USA, an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Seit 1984 hatte er die Stadt immer wieder besucht, zuletzt 2014, als der von ihm an die Museen der Stadt übergebene Nachlass öffentlich präsentiert wurde.

Werner Hirsch wurde am 6. März 1935 geboren. Seine Eltern, Elsa und Lothar Hirsch, wohnten in der Leinwanderstraße 2a. Nach der Pogromnacht 1938 fasste die junge Familie den Entschluss zur Auswanderung. Dem Vater Lothar Hirsch gelang es 1939, die nötigen Papiere für sich zu bekommen und über Amsterdam nach New York zu emigrieren. 1940 konnte er auch seine Frau und seinen Sohn nachholen. Für die Großeltern David und Rosa Berta Hirsch, hatte sein Vater auch noch versucht Ausreisepapiere zu bekommen. Doch bis er alle Unterlagen zusammen hatte, waren die Grenzen bereits geschlossen und eine Ausreise nicht mehr möglich. David Hirsch starb im Konzentrationslager Theresienstadt und Rosa Hirsch wurde in Ausschwitz ermordet. Auch Werners Onkel Robert kam in einem Konzentrationslager ums Leben.

In New York blieben Elsa, Lothar und Werner Hirsch nur so lange, bis der Vater in einer Textilfabrik in Manchester, Connecticut, Arbeit fand. Werner Hirsch studierte nach dem Schulabschluss Elektroingenieurwesen und wurde schließlich Lehrer.

1984 kam Werner Hirsch auf Einladung der Stadt Aschaffenburg, anlässlich der Einweihung des Jüdischen Dokumentationszentrums, das erste Mal in seine Geburtsstadt zurück. Bei diesem Besuch wurden ihm fünf Torawimpel übergeben, die auf Grund der Beschriftung seiner Familie mütterlicherseits in Großostheim zuzuordnen waren. Bei einem weiteren Besuch im Jahr 2013 kam dies anlässlich der Präsentation der 2009 in den Museen wiederentdeckten Torawimpel zur Sprache. 2014 entschloss er sich, seine Torawimpel an die Museen der Stadt Aschaffenburg zurück zu geben, um ihren zukünftigen Erhalt sicher zu stellen.

Seine Aufenthalte in der Stadt hat Werner Hirsch immer wieder dazu genutzt, Jugendlichen seine Familiengeschichte zu erzählen und darzulegen, was es heißt, vergeben zu können und offen mit der Vergangenheit umzugehen. Gleichzeitig pflegte er bis kurz vor seinem Tod von den USA aus einen regen Austausch mit den Museen der Stadt Aschaffenburg, wie auch mit dem Stadt- und Stiftsarchiv, dem er 2015 für die Datenbank Jüdisches Unterfranken eine umfangreiche Familienkorrespondenz aus der Zeit nach 1939 überließ. Die überwiegend sehr persönlichen Berichte gewähren einen unmittelbaren Blick auf Diskriminierung und Verfolgung vor den Deportationen 1941 und 1942 und den verzweifelten Bemühungen um Rettung und Ausreise.
Alle, die Werner Hirsch kennengelernt haben, werden ihn als einen sehr aufgeschlossenen, herzlichen und liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten.