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Stadtgeschichte

Stadtgeschichte - Stift, Schloss und Pompejanum

König Ludwig I. von Bayern liebte die Stadt wegen ihres milden Klimas und schenkte ihr das Pompejanum. Neben dem einmaligen Pompejanum sind bis heute in der über 1000jährigen Geschichte zwei Repräsentativbauten die auffälligsten Kulturgüter Aschaffenburgs: Die um 974 erbaute Stiftskirche sowie das von 1605 bis 1614/19 errichtete Schloß Johannisburg. Es war die Zweitresidenz der Mainzer Bischöfe und Kurfürsten.

Grabungen in der Oberstadt belegen, dass Aschaffenburg bereits zur Zeit der Völkerwanderung besiedelt wurde, denn die ersten Funde datieren aus dem 3. Jahrhundert. Es ist anzunehmen, dass ab dem 4. Jahrhundert auf einer Anhöhe, dem späteren Stiftsberg, eine größere Siedlung bestanden hat. Herzog Liudolf von Schwaben gründete 975 das Aschaffenburger Stift St. Peter, ab dem 12. Jahrhundert St. Peter und Alexander. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ging es an das Erzbistum Mainz unter Erzbischof und Reichserzkanzler Willigis über.

Ausgangspunkt der sich um die Stiftskirche entwickelnden Oberstadt - bereits vor der Jahrtausendwende als "civitas" bezeichnet - war eine kleine Erhebung in Dreieckform zwischen Main, Löhergraben, Landing und Schloßgraben sowie die von Willigis 987/989 errichtete erste hölzerne Brücke über den Main. Als bedeutender Umschlagplatz, gelegen an der alten Handelsstraße durch den östlich von Frankfurt beginnenden Maingau bis zum Rhein, hatte Aschaffenburg nun Siedlungscharakter. Um 1122 wurde es von Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken neu befestigt.

Als sich die Oberstadt seit dem 12. Jahrhundert schließlich über die bisherigen Befestigungsanlagen ausdehnte, der Burgneubau begann und Aschaffenburg Marktrecht (1144), Münzerlaubnis (1155) sowie im späten 12. Jahrhundert Stadtrechte zugesprochen bekam, entwickelte sich aufgrund dieser Privilegien auch eine Unterstadt. Als Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe/Kurfürsten, als Zentrum des Mainzer Archidiakonates, mit seinen mittelalterlichen Mauern, Türmen, Toren und Gräben, wurde die Stadt ab dem 14. Jahrhundert eine der relevantesten Bastionen des Erzbistums.

Nach einem vorübergehenden Provinzdasein im 17. Jahrhundert führten Friedrich Carl Joseph von Erthal gegen Ende des 18. Jahrhunderts und Carl Theodor von Dalberg nach der 1803 erfolgten Auflösung des Mainzer Kurstaates, der Gründung des Fürstentums Aschaffenburg (1803-1810) sowie des Großherzogtums Frankfurt (1810-1813) zu Beginn des 19. Jahrhunderts Aschaffenburg zu einer erneuten kulturellen und wirtschaftlichen "Hoch-Zeit".

Zunächst ließ Erthal die Parkanlagen Schönbusch, Schöntal, Fasanerie und Schloßgarten nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten anlegen, die seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts jenes Naturgefühl vermitteln, das ihr bedeutendster Vertreter, Jean Jaque Rousseau, propagierte. Seit dieser Zeit bieten diese Anlagen neben den steinernen Zeugnissen der Vergangenheit Gelegenheiten der Entspannung und Erholung für die Bürger der Stadt und ihre Gäste.

Erthals Nachfolger, zugleich letzter Mainzer Erzbischof/Kurfürst, Fürstprimas des Rheinbundes, später Großherzog, Carl Theodor von Dalberg, begabter Literat und Politiker, förderte vor allem das Schul- und Bildungswesen, gründete die Karlsuniversität und das Theater, und brachte bekannte Künstler an seinen Hof.

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege, der Auflösung der Zentralverwaltung und dem Verlust zahlreicher Behörden und Bildungsanstalten (Universität), fiel Aschaffenburg mit seinem Umland 1814 an die bayerische Krone. Ein kurzzeitiger politischer, wirtschaftlicher und kultureller Niedergang war die Folge. Erst mit dem Deutschen Zollverein (1834), dem Anschluß an das Eisenbahnnetz (1854) und der Entstehung einer leistungsfähigen Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Herrenoberbekleidung, Papier und Zellstoff, Motoren und Lenkräder, Meßwerkzeuge) kehrte die Stadt zu ihrer traditionellen wirtschaftspolitischen und kulturellen Bedeutung zurück.

Die weitgehenden Zerstörungen 1944/45, besonders der Altstadt und des Stadtteiles Damm, konnten in der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz aller Bürger weitgehend vergessen gemacht werden. Neuer erweiterter Wohnraum wurde geschaffen, das Wirtschafts- und Industriepotential wuchs mit den steigenden Bedürfnissen. Auch und gerade für die Altstadtsanierung und die Denkmalpflege wurden und werden bis heute große Anstrengungen unternommen, wenngleich sich einige "Sünden" nicht immer vermeiden ließen. Neues bauliches Denken zeigte sich zum Beispiel mit dem Rathausneubau in den fünfziger Jahren im Stile des Neoklassizismus. Moderner Architektur wurde mit verschiedenen öffentlichen und privaten Bauten Rechnung getragen, so mit einem zeitgemäßen Schulzentrum, Wohn- und Sportanlagen, neuen Industrie- und Gewerbebauten sowie der 1974 eröffneten City-Galerie inmitten der Stadt. Mit der Errichtung der Stadthalle und der f.a.n. frankenstolz arena (vorher Unterfrankenhalle) 1991 hat Aschaffenburg mit seinen inzwischen rund 67 000 Einwohnern auch als Konferenz- und Veranstaltungszentrum eine überregionale Bedeutung erlangt. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Sportstätten, vor allem das moderne Stadion "Schönbusch".

Inzwischen ist die "Pforte zum Spessart" wieder zum Mittelpunkt des Untermaingebietes geworden. Sie kann mithalten mit den Aufgaben der Gegenwart, ohne dabei die Kräfte zu vergessen, die gerade dieser Stadt aus einer reichen geschichtlichen und künstlerischen Vergangenheit zufließen.