Älteste Buchhandschrift des Stadt- und Stiftsarchivs zurück im Schönborner Hof
Die älteste Buchhandschrift des Aschaffenburger Stadt- und Stiftsarchivs sowie der Landeskundlichen Bibliothek für Spessart und Untermain ist nach langer Abwesenheit in den Schönborner Hof zurückgekehrt. Seit dem 5. März befand sich das Gebetsbuch aus dem 15. Jahrhundert, das sogenannte „Livres d’Heures“, zur Restaurierung in den Händen der Schempp Bestandserhaltung GmbH.
Zwei Jahre ist es her, dass das Stundenbuch im Zuge einer Handschriftenrevision in der Landeskundlichen Bibliothek in den Mittelpunkt von Nachforschungen gerückt ist. Der Schriftverkehr zwischen dem ehemaligen Bibliothekar und einem Gutachter geben Aufschluss über Alter und Inhalt des Gebetsbuchs. Das Gutachten aus den 1980er Jahren datiert die Entstehung des Livres d’Heures auf das 15. Jahrhundert. Erworben wurde es in einem Frankfurter Antiquariat. Konkretere Angaben zur Entstehungsgeschichte und Herkunft des Stundenbuchs können (bisher) jedoch nicht getroffen werden.
Obwohl der Verfasser sein Werk nie vollendet hat, weist das Stundenbuch einige originelle Merkmale auf. Aufwendige Blumenranken um die Handschriften verleihen dem Stundenbuch ein künstlerisches Aussehen. Inhaltlich ist das Stundenbuch ein kulturgeschichtliches Zeugnis des Alltags im Späten Mittelalter. Es beginnt mit dem Marienoffizium nach dem römischen Usus und enthält zudem weitere Litaneien, Gebete, das Totenoffizium sowie die Anrufung von Heiligen. Das Stundenbuch schließt mit dem Johannisevangelium, das als Segen und als Abwehrmittel gegen Gefahren und Dämonen zu verstehen ist.
„Mit dem Livres d’Heures befindet sich ein kulturhistorisch hoch spannendes Alltagszeugnis des Späten Mittelalters im Bestand des Stadt- und Stiftsarchivs“, sagt Bürgermeister Eric Leiderer, der in Aschaffenburg das Referat für Digitalisierung, Kultur, Tourismus und Sport leitet. Eine Ansicht des Stundenbuchs kann zu Forschungszwecken im Stadt- und Stiftsarchiv beantragt werden. Der Öffentlichkeit sind Auszüge des Büchleins über den Medientisch im Foyer des Archivs bereits zugänglich. Eine Onlinestellung ist vorgesehen.
Zum Hintergrund der Restaurierung:
Im Zuge der Restaurierungsarbeiten durch die Firma Schempp wurde das Buch zunächst gereinigt, der Einband abgenommen und die Fadenheftung gelöst. Anschließend wurden die Schäden im Bundsteg restauriert sowie die Heftlagen aus Pergament neu handgeheftet. Um wiederverwendet werden zu können, wurden die beiden Kapitale befestigt. Der Einband, der dem Stundenbuch erst in der Neuzeit in Form eines schlichten Pergamenteinbandes hinzugefügt wurde und noch gut erhalten war, wurde im Falzbereich stellenweise verstärkt. Auch die Einbanddecke konnte wiederverwendet werden. Dank dieser aufwendigen Restaurierungsarbeiten kann der Erhalt dieses besonderen Objektes sichergestellt werden.