Stadt Aschaffenburg stellt Taubenloft am ROB auf

Die Stadt Aschaffenburg geht einen weiteren Schritt im Umgang mit verwilderten Stadttauben: Am Regionalen Omnibusbahnhof (ROB) wurde ein sogenanntes Taubenloft aufgestellt. In einem umgebauten Schiffscontainer finden Tauben Futter und Brutplätze. Die Eier können problemlos ausgetauscht werden. In den kommenden Wochen beziehen einige Tauben aus dem Tierheim das Loft. Nach und nach sollen sie dann andere Tauben anlocken.

Verwilderte Tauben stellen vor allem in der Innenstadt eine wachsende Herausforderung dar. Viele Tiere stammen ursprünglich aus aufgegebenen Taubenzuchten. Sie suchen in der Stadt nach Futter, nisten unkontrolliert und vermehren sich zuchtbedingt ganzjährig. Häufig sind die Tiere krank, verletzt oder fehlversorgt. Gleichzeitig lösen größere Ansammlungen von Tauben bei Bürgerinnen und Bürgern immer wieder Sorgen hinsichtlich Hygiene, Stadtbild und möglicher Gesundheitsgefahren aus.

„Der Umgang mit verwilderten Tauben ist nicht mit klassischen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen gegen Ratten oder anderen Schadnagern vergleichbar“, betont Elke Wimber vom Ordnungs- und Straßenverkehrsamt, das sich um das Stadtbild kümmert, für Fragen des Infektionsschutzes zuständig ist und auch Bekämpfungsmaßnahmen gegen verwilderte Tauben bei Gefahr im Einzelfall und Allgemeinen veranlassen kann. „Es handelt sich immer auch um eine tierschutzrechtlich sensible Aufgabe. Ein wirksames Taubenmanagement muss deshalb Gesundheitsschutz, Stadtbildpflege und Tierschutz gleichermaßen berücksichtigen.“

Bisher gibt es im Bereich Schönbusch zwei Taubenschläge. Diese entsprechen jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Holzkonstruktionen sind mittlerweile marode und können durch den Tierschutzverein nicht mehr betreut werden, da für die Helferinnen und Helfer erhebliche Unfallgefahren bestehen. Auch ein tierschutzgerechtes Management ist dort nicht mehr möglich. Bereits seit 2024 sucht die Stadt daher nach geeigneten Alternativen.

Modernes Taubenloft

Nach der Auswertung von Taubenmanagementsystemen anderer Kommunen hat sich die Stadt für ein modernes Taubenloft entschieden. Dieses System gilt als tierschutzgerechter Ansatz, da die Tiere dort zuverlässig mit Futter und Wasser versorgt, gesundheitlich überwacht und in ihrer Vermehrung kontrolliert werden können. Der Tierschutzverein Aschaffenburg hat die Stadt bei der Auswahl intensiv beraten und unterstützt. Das Taubenloft kostete rund 25.000 Euro.

Als Standortgeber konnte die AVG am ROB gewonnen werden. Der Bereich rund um Hauptbahnhof und Regionalen Omnibusbahnhof gilt als besonderer Tauben-Hotspot.

Das neue Taubenloft soll den Tieren künftig ein festes Zuhause bieten. Die Betreuung übernimmt der Tierschutzverein Aschaffenburg. Neben Futter, Wasser und Gesundheitsüberwachung wird dort auch die Geburtenkontrolle durchgeführt, indem gelegte Eier durch Plastikeier ersetzt werden. So kann die Stadt mittelfristig einen besseren Überblick über die Population gewinnen und langfristig eine Reduzierung der Tiere erreichen.

Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, dass betreute Taubenschläge und Taubenlofts zu einer deutlichen Entlastung des öffentlichen Raums beitragen können. Die Tiere halten sich überwiegend im betreuten Loft auf und werden im Stadtbild weniger stark wahrgenommen.

Stellflächen für weitere Taubenlofts gesucht

Für ein flächendeckendes Taubenmanagement könnten weitere Standorte notwendig werden. Geeignete Flächen in der Innenstadt sind jedoch schwer zu finden. Die Stadt bittet deshalb um Unterstützung: Wer geeignete Stellflächen für weitere Taubenlofts kennt oder anbieten kann, wird gebeten, sich mit dem Ordnungs- und Straßenverkehrsamt unter amt32@aschaffenburg.de in Verbindung zu setzen.

Appell: Keine Tauben füttern

Zugleich appelliert die Stadt eindringlich an die Bevölkerung, keine Tauben im öffentlichen Raum zu füttern. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Nur wenn die Tiere ihr Futter im Taubenloft erhalten, kann das Projekt erfolgreich sein. Zusätzlich wird durch unkontrolliertes Füttern die medizinische Betreuung erschwert. Der Tierschutzverein setzt im Loft geeignetes Futter ein, das auch dazu beiträgt, Krankheiten gezielt zu bekämpfen.