Trauer um Günter Dehn
Die Stadt Aschaffenburg und der Stadtrat trauern um Günter Dehn. Mit ihm verliert Aschaffenburg einen seiner prägendsten Kommunalpolitiker, einen langjährigen Bürgermeister, einen Ehrenbürger und einen Menschen, dessen Lebensweg auf besondere Weise mit dieser Stadt verbunden war.
1933 am Freihofsplatz geboren, erlebte er als Kind Krieg, Bombennächte und die Zerstörung seiner Heimatstadt. Diese Erfahrungen begleiteten ihn ein Leben lang. Sie machten ihn sensibel für die Not anderer Menschen und prägten sein Verständnis von Verantwortung.
Schon früh engagierte er sich in der katholischen Jugend und bei den Pfadfindern. Dort fand er sein Lebensmotto, das ihn bis zuletzt begleitete und ihn in die Kommunalpolitik führte: „für andere da sein.“
1960 wurde Günter Dehn erstmals in den Aschaffenburger Stadtrat gewählt, dem er 54 Jahre angehörte. In der CSU-Stadtratsfraktion war er zunächst Schriftführer, später stellvertretender Fraktionsvorsitzender und ab 1972 Fraktionsvorsitzender. 1978 wurde er zum Zweiten Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg gewählt. Dieses Amt übte er 24 Jahre lang bis 2002 aus.
Als Bürgermeister verantwortete Günter Dehn die Bereiche Schulen, Jugend und Soziales. Es waren Aufgaben, die wie für ihn geschaffen waren. Besonders am Herzen lagen ihm Kinder und Familien. Günter Dehn förderte Kindergärten, Horte und Angebote der Hausaufgabenhilfe. Unter seiner Mitwirkung wurde Aschaffenburg zur ersten bayerischen Stadt, die eine flächendeckende Kindergartenversorgung nachweisen konnte.
Auch die Jugendpolitik trug seine Handschrift. Er unterstützte die Jugendarbeit, die Vereine, die Stadtjugendpflege und Angebote, die jungen Menschen Räume eröffneten.
Eine seiner großen Leistungen liegt im Ausbau und in der Weiterentwicklung der Aschaffenburger Bildungslandschaft. Mehr als 30 Schulen gehörten zu seinem Verantwortungsbereich. Diese große Schullandschaft zu erhalten, zu modernisieren und weiterzuentwickeln, verlangte Sachkenntnis, Beharrlichkeit und Organisationstalent. Günter Dehn brachte all das mit.
Ebenso deutlich war sein soziales Profil. Günter Dehn fragte nicht zuerst nach Zuständigkeiten, sondern nach dem, was gebraucht wurde. Sein Engagement für die Schwächeren in der Gesellschaft wurde zu einem Markenzeichen seiner Arbeit.
Der soziale Wohnungsbau war ein weiteres großes Feld seines Wirkens. Als Stadtrat und später als Bürgermeister stellte er die Wohnungsversorgung immer wieder in den Mittelpunkt. Über Jahrzehnte war er Mitglied im Aufsichtsrat der Aschaffenburger Stadtbau.
Wer Günter Dehn begegnete, erlebte einen Politiker, der zuhören konnte. Seine Tür stand offen. Bürgerinnen und Bürger, die mit einem Anliegen zu ihm kamen, wurden nicht abgewiesen. Günter Dehn war nahbar, ohne sich anzubiedern, bescheiden, ohne klein zu denken, geradlinig, ohne verletzend zu sein und bestimmt, wenn er ein Ziel als richtig erkannt hatte.
Dabei blieb er ein Mann des Ausgleichs. Er war fest in seiner Partei verwurzelt, arbeitete aber für die Stadt über parteipolitische Grenzen hinweg. Seine Verlässlichkeit war legendär. Er war nicht nur Repräsentant der Stadt, er war Teil dieser Stadt.
Für sein Wirken erhielt Günter Dehn zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Kommunale Verdienstmedaille in Silber und das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die höchste Ehrung aber war die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Aschaffenburg im Jahr 2015. Sie würdigte ein Lebenswerk, das mehr als ein halbes Jahrhundert Stadtgeschichte umfasst. Günter Dehn selbst nahm diese Ehrung in der ihm eigenen Bescheidenheit an.
Oberbürgermeister Markus Schlemmer: „Mit Günter Dehn verliert Aschaffenburg einen Menschen, der diese Stadt über Jahrzehnte geprägt hat wie nur wenige andere. Er war Bürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger, ein verlässlicher Kommunalpolitiker, ein Anwalt der Kinder, der Jugendlichen und der sozial Schwächeren und ein Ehrenbürger, dessen Wirken in unserer Stadt sichtbar bleibt. Sein Lebenswerk ist Teil der Geschichte Aschaffenburgs. Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet.“
Stadtrat und Stadtverwaltung werden Günter Dehn ein ehrendes Andenken bewahren.
Im Lichthof im 1. Obergeschoss des Rathauses, Dalbergstraße 15, liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können.