Starkregen in Aschaffenburg

Stadt zieht Bilanz und informiert über Möglichkeiten zur Eigenvorsorge

In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2026 wurde Aschaffenburg von einem außergewöhnlich starken Starkregenereignis getroffen. Innerhalb kurzer Zeit fielen große Niederschlagsmengen, die örtlich zu Überflutungen, vollgelaufenen Kellern und überlasteten Entwässerungssystemen führten. Zwischen 3.30 Uhr und 17 Uhr sind im Stadtgebiet 408 Feuerwehreinsätze abgearbeitet worden. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdiensten, Bauhof, Amt für Hochbau und Gebaeudewirtschaft, Garten- und Friedhofsamt und weiteren beteiligten Stellen waren bis in den Tag hinein gefordert.

„Ich danke allen Einsatzkräften, die in dieser Nacht schnell und engagiert geholfen haben. Das Ereignis zeigt erneut, dass Extremwetterlagen auch unsere Stadt treffen können und die Vorsorge eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe ist“, sagt Oberbürgermeister Markus Schlemmer.

Starkregen stellt Kommunen und Bevölkerung vor besondere Herausforderungen: Anders als bei Hochwasser an Flüssen können solche Ereignisse nahezu überall auftreten und nur schwer lokal vorhergesagt werden. Die Stadt Aschaffenburg arbeitet daher kontinuierlich daran, Risiken zu erfassen und Maßnahmen zur Klimaanpassung und Starkregenvorsorge umzusetzen.

Extremwettereignis: Starkregen

Als Starkregen werden große Niederschlagsmengen bezeichnet, die in kurzer Zeit fallen. Mit der Erwärmung als Folge des Klimawandels kann die Atmosphäre grundsätzlich mehr Wasserdampf speichern, also Feuchtigkeit aufnehmen. Die Wahrscheinlichkeit für Starkregen nimmt zu. In Deutschland sind Starkniederschläge nach den Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) als Niederschläge definiert, bei denen innerhalb einer Stunde mehr als 15 mm Niederschlag oder binnen 6 Stunden mehr als 20 mm Niederschlag fallen. Ab 12 Stunden wird von Dauerregen bzw. ergiebigem Dauerregen gesprochen.

Sturzflutenkonzept

Der Umwelt-, Klima- und Verwaltungssenat hat im Mai 2024 das Amt für Stadtplanung und Klimamanagement beauftragt, ein sogenanntes Sturzflutenkonzept mit Starkregenrisikokarte für das Stadtgebiet und die relevanten Gewässereinzugsgebiete zu erstellen. Das Sturzflutenkonzept, als Bestandteil der Aschaffenburger Klimaanpassungsstrategie, wird eine Gefahrenkarte für das Stadtgebiet enthalten. Anhand der Gefahrenkarte können die Bürgerinnen und Bürger künftig potentiell gefährdete Bereiche erkennen und daraus Vorsorgemaßnahmen zum eigenen Schutz ableiten.

Eigenvorsorge kann Schäden reduzieren

Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer sowie Mieterinnen und Mieter können durch eigene Vorsorgemaßnahmen dazu beitragen, Schäden zu vermeiden oder zu verringern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Keller und tieferliegende Räume möglichst nicht mit wertvollen Gegenständen oder wichtigen Dokumenten nutzen
  • Rückstauschutz und Entwässerungseinrichtungen regelmäßig überprüfen
  • Dachrinnen, Hofabläufe und Entwässerungsrinnen freihalten
  • Kellerfenster, Lichtschächte und Türen gegen eindringendes Wasser sichern
  • Lichtschächte aufstocken: mindestens 15 Zentimeter über Geländeoberkante
  • Bei vorhandenen Dachrinnen oberhalb von Lichtschächten zusätzliche Abdeckung der Schächte, so dass kein Schwallwasser vom Dach in den Lichtschacht dringen kann
  • Überprüfung der Lage des Gebäudes. Bereits leichte Hanglagen, die auf das Haus zuführen, können zu massivem Wassereinfall führen
  • Kontrolle von Zufahrten von der Straße in tieferliegende Garagen. Sie sind das Einfallstor von Sturzfluten, die von Straßen kommen. Schwellen können hier helfen
  • Einbau von Schwellen bei Kellertreppen oder Zugängen zu Souterrainwohnungen Diese sollten ebenfalls 15 Zentimeter hoch sein. Zusätzliche Sicherung von Treppenwegen gegen Sturzfluten
  • Wetterwarnungen beachten und bei angekündigten Starkregenereignissen frühzeitig vorsorgen. DWD Warnungen über Newsletter oder App

Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger

Die Stadt Aschaffenburg bietet verschiedene Möglichkeiten, sich über Starkregen- und Hochwasservorsorge zu informieren und beraten zu lassen. Beim Tag der offenen Tür des Bauhofs am Sonntag, 27. September 2026, wird das Thema Hochwasser- und Starkregenvorsorge ebenfalls aufgegriffen. Bürgerinnen und Bürger können sich vor Ort beim Hochwasserinfomobil des HKC informieren und mit Fachleuten ins Gespräch kommen. Dort erhalten Interessierte praktische Informationen, wie sie ihr eigenes Gebäude besser schützen und Vorsorgemaßnahmen umsetzen können.

Eine weitere Möglichkeit zur individuellen Einschätzung bietet der Hochwasserpass. Mit dieser Beratung können Eigentümerinnen und Eigentümer die Gefährdung ihres Gebäudes bewerten lassen und konkrete Empfehlungen für Schutzmaßnahmen erhalten. Die Stadt weist zudem darauf hin, dass Starkregenereignisse trotz technischer Schutzmaßnahmen nie vollständig verhindert werden können. Eine Kombination aus kommunalen Vorsorgemaßnahmen und privater Eigenvorsorge ist daher entscheidend, um Risiken und Schäden möglichst gering zu halten

„Technische und bauliche Maßnahmen der Stadt sind wichtig, können aber nicht jede Auswirkung von Extremwetter verhindern", betont die Klimaanpassungsmanagerin der Stadt Aschaffenburg, Antonia Mehnert. „Deshalb ist die Eigenvorsorge ein zentraler Baustein, um Schäden zu begrenzen.“

Bis die städtische Gefahrenkarte fertigstellt ist, verweist die Stadt auf die Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut des LfU: https://www.lfu.bayern.de/wasser/starkregen_und_sturzfluten/hinweiskarte/index.htm

Weitere Informationen zum Schutz vor Starkregen und zur Klimaanpassung sind auf der Internetseite der Stadt Aschaffenburg verfügbar.

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