Bäume für die Menschenrechte
Die „Bäume für Menschenrechte“ tragen die Idee der Menschenrechte in die Stadtteile. Es sollen über die ganze Stadt verteilt Bäume gepflanzt werden, die einem der 30 Menschenrechtsartikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 gewidmet sind. Neben den Bäumen soll ein Steinfindling oder ähnliches (Kunstwerk) stehen, auf denen das von den Pflanzern ausgewählte Menschenrecht in Deutsch und einer weiteren Sprache zu lesen ist.
Die Idee geht von dem gleichnamigen Projekt der Stadt Nürnberg, ausgelöst vom Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne aus. Innerhalb dessen Gelände auf der Wöhrder Wiese steht eine Eiche, die Teil der Großskulptur 7000 Eichen von Joseph Beuys ist, die vor 26 Jahren in Kassel bei der documenta startete. In Fortführung dieser Aktion haben nun die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch das Projekt Bäume für die Menschenrechte in der ganzen Stadt Wurzeln geschlagen.
Interessierte Gruppen oder Einzelpersonen setzten sich intensiv mit der Menschenrechtserklärung auseinander. Aus den 30 Artikeln suchen sie sich einen Artikel heraus, dem sie ihrem Baum widmen. Den Ankauf des Baums, des Steinfindlings und der Tafel finanziert die Gruppe.
Erster Baum für Menschenrechte gepflanzt
Die Stadt Aschaffenburg hat sich zusammen mit den Meisterschülerinnen und -Schülern der Aschaffenburger Steinmetzschule den Artikel 21 der Allgemeinen Menschrechtserklärung ausgesucht: Die Steinmetze hatten die Aufgabe, sich in einer Gemeinschaftsaufgabe mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht auseinander zu setzen.
Unsere Steinmetzschule hat für den ersten Baum einen Stein entworfen und umgesetzt, der aus einem halbierten Findling besteht. An der Schnittfläche zeigt er jeweils einen Schwalbenschwanz als Positiv und Negativ. Beide zusammen ergeben erst ein Ganzes. Daher sind auch die beiden Bronzetafeln mit dem Artikel 21 zum einen auf deutsch, zum anderen spiegelschriftlich auf englisch in die Schnittflächen des Steins eingelassen.
Der Stein steht im offenen Schöntal am Übergang von der Frohsinnstraße zur Sparkasse.
Warum wir es machen!
Das Projekt ist Teil der „Aschaffenburger Bündnisse für Bildung – Demokratie erleben“.
In der heutigen Gesellschaft eine demokratische Werthaltung zu entwickeln wird für Menschen besonders für Jugendliche zunehmend schwieriger. Hochgradig komplexe politische Entscheidungsverläufe, undurchsichtige Machtverhältnisse, einhergehend mit unüberschaubar vielen Interessenverbänden, überbordende Regelungskataloge nebst dazugehörigen Verwaltungsapparaten machen die Idee von der Gestaltbarkeit der Gesellschaft durch politisches Handeln immer weniger erfahrbar. Dazu gesellt sich die immer schärfer auseinander klaffende Schere von Reichtum und Armut, die entscheidend auf den Bildungsgrad und damit auf die Verfügbarkeit des Handwerkszeugs zur politischen Mitwirkung Einfluss nimmt.
Demokratisches Denken und Handeln wird dem Menschen nicht in die Wiege gelegt – es muss erlernt und erlebt werden. Mit der Initiative „Aschaffenburger Bündnisse für Bildung – Demokratie erleben“ möchten die Akteure zur Teilhabe und Mitwirkung an der Gesellschaft befähigen. Die Menschen sollen die Möglichkeit haben ihre Interessen zu artikulieren und an politischen Entscheidungen mitzuwirken. Dabei wollen wir mehr bieten als das Wissen über den Aufbau und Struktur der Demokratie. Dieses Wissen wird schon in den Schulen vermittelt. Wir wollen vielmehr den positiven Wert einer demokratischen Haltung erfahrbar machen und die notwendigen Kompetenzen für demokratisches Denken und Handeln vermitteln.
Dabei nehmen wir in Kauf, dass politische Jugendbildung unbequem ist, da sie sich mit weiteren Bildungsaufgaben gern auch mal im Widerspruch befindet. Für uns zielt die Bildungsarbeit nicht auf die Anpassung der Jugend an das Gesellschaftssystem ab, sondern auf die Entwicklung ihrer Mündigkeit und Kritikfähigkeit. Wir betrachten die Kinder und Jugendlichen als Potential, als Bereicherung und als Ressource für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.
Uns ist das Prinzip der freiwilligen, demokratischen Teilnahme besonders wichtig, es erhöht die Wirksamkeit. Je stärker die Partizipation der Jugendlichen an den Angeboten ist, umso authentischer machen sich die Bildungsinhalte für die Zielgruppen erfahrbar. Dies hat eine hohe Erlebnisqualität zur Folge.
Für uns nehmen dabei Partizipation, wertschätzende Kommunikation und eine konstruktive Konfliktaustragung die Schlüsselrolle ein, die nicht nur gegenüber den Kindern, sondern auch auf allen Ebenen Gesellschaft zu praktizieren sind.
Wer wir sind
Verantwortlich für das Projekt ist das Referat 1 der Stadt Aschaffenburg mit dem Oberbürgermeister und das Amt für Umwelt und Verbraucherschutz.
Weitere Kooperationspartner des Bündnisses sind das Garten- und Friedhofsamt, die Pressestelle und das Bildungsbüro der Stadt Aschaffenburg.
Über das Projekt
Interessierte Gruppen setzen sich intensiv mit der Menschenrechtserklärung auseinander. Aus den 30 Artikeln suchen sie sich einen Artikel heraus, dem sie ihrem Baum widmen. Den Ankauf des Baums, des Steinfindlings und der Tafel finanziert die Gruppe. Die Gruppen melden ihr Interesse beim Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz an.
- Das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz prüft und entscheidet über die Teilnahmemöglichkeit der Interessenten.
- Das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz berät bei der Materialauswahl für den Steinfindling oder das Kunstwerk
- Voraussetzung für die Durchführung der Bepflanzung im öffentlichen Raum oder auf Grundstücken der Stadt Aschaffenburg ist die Zustimmung des Garten- und Friedhofamts.
- Das Garten- und Friedhofsamts berät bei der Auswahl des Baumes und bei der Standortsuche.
- Die Pflanzung des Baumes soll zwischen November bis Dezember sowie März bis Mai liegen, weil dies die besten Zeiträume für Baumpflanzungen sind.
- Der Baum wird über das Gartenamt bezogen.
- Die Pflanzung wird vom Gartenamt technisch unterstützt.
- Das Gartenamt berechnet eine pauschale Kostenbeteiligung (auf Selbstkostenbasis) für die Beratung, die Beschaffung und den Kauf des Baumes, die Bepflanzung und für die Pflege im ersten Jahr. Ab dem zweiten Jahr werden die Pflegekosten vom Gartenamt voll übernommen, soweit der Baum im öffentlichen Raum steht.
- Zusätzliche Kosten können durch das Setzen des Findlings oder des Kunstwerks entstehen.
Auf Wunsch berät Sie das Bildungsbüro bei der Recherche nach Bildungsmaterial und kann die Verbindung zwischen Gruppen und weiteren Beteiligten (Künstlern) herstellen.
Wer kann mitmachen?
Wir laden alle Aschaffenburger Schulen, Unternehmen und Organisationen ein, sich an dem Projekt zu beteiligen.
Alle am Projekt teilnehmende Menschen, Gruppen, Vereine, Organisationen und Körperschaften versichern, die Würde des Menschen zu achten. Sie stehen ein für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ohne Unterschied von Rasse, Religion, Nation, Berufsstand oder sonstigen menschlichen Unterscheidungsmerkmalen. Die freiheitlich-demokratischen Grundwerte werden von allen Interessenten durch ein friedliches Miteinander vertreten und repräsentiert.
Ansprechpartner
Stadt Aschaffenburg
Amt für Stadtplanung und Klimamanagement
Bäume für Menschenrechte
Andreas Jung
Pfaffengasse 11
Telefon: 06021-330 1491
Andreas.Jung@aschaffenburg.de
Stadt Aschaffenburg
Bildungsbüro
Pfaffengasse 7
63739 Aschaffenburg
06021-330-1573
bildungsbuero@aschaffenburg.de
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Bereits 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" und gab hiermit ein ausdrückliches Bekenntnis der Vereinten Nationen zu den allgemeingültigen Menschenrechten.